Glocken und Bilder (YouTube - "mythenmetz100")

St. Johannes-Kirche

Die St. Johannes-Kirche ist ein spätromanischer Backsteinbau, der etwa im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts auf einer Warft aus vorchristlicherZeit errichtet wurde. Es entstand zunächst eine einschiffige, langgestreckte und flachgedeckte Saalraumkirche mit paarweise angeordneten Portalen und Rundbogenfenstern, die aber sehr bald zu einem Gewölbebau umgestaltet wurde. Das Kirchenschiff wurde in vier Joche unterteilt. Über ein System paarig angeordneter Schildbögen wurden nach Vorbild des Domes zu Ribe (Dänemark) frühgotische Achtrippengewölbe eingezogen, die im mittlerem und östlichem Joch erhalten sind. Bei späteren Reparaturen wurde im westlichen Joch eine Holzdecke eingezogen und der Chor wurde kastenförmig abgeschlossen sowie mit einem barocken Vorhaus versehen. Eine Sonnenuhr (1756) aus Rotsandstein ist an der Südwand des Vorhauses eingelassen.

Der Glockenturm (1731) ist ein vierkantiger schwachkonischer Holzbau mit einem achtseitigen Helm, der 1922 und 1993 erneuert bzw. renoviert wurde. In ihm hängen eine barocke Bronzeglocke (J.Armowitz, Husum) aus dem Jahre 1738 und eine neue Bronzeglocke (Fa. Rinker, Sinn/Hessen) aus dem Jahre 2006.

Innerhalb der weiß angestrichenen Kirche befinden sich eine Reihe wertvoller Ausstattungsgegenstände. Der Blick fällt zunächst auf den geschnitzten spätgotischen Altaraufsatz (um 1550).  

 

 

Im Mittelschrein ist der thronende Gottvater dargestellt, der - von acht Engeln umschwebt - den umsinkenden Christus hält. An den Seiten des Thrones stehen die beiden Johannes, links der Täufer mit Buch und Lamm, rechts der Evangelist, den Giftkelch haltend. In den quergeteilten Flügeln befinden sich vier Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, links oben beginnend mit der Geburt, darunter die Enthauptung. Im oberen rechten Flügel das Gastmahl des Herodes, darunter eine Predigtszene. Die Außenseiten der Flügel (hinter dem Altar zu sehen oder wenn der Altar zugeklappt ist) tragen gemalte Szenen aus der Passion Christi (wertvolle wahrscheinlich flämische Malerei um 1520 mit starken Schäden).

In der Predella findet sich eine geschnitzte Gruppe der ‚Anna selbdritt’ (Maria und Anna mit dem Jesuskind) nebst Joseph, Joachim und Gottvater segnend im Hintergrund. Seitlich sind Halbfigurenbilder: Maria und Johannes der Evangelist.

Der Altaraufsatz wird umrahmt durchein barockes, vergoldetes Rankwerk in dem weitere Figuren aus dem 15. Jahrhundert eingesetzt sind: Marienkrönung, Christopherus, Diakon mit Buch und die seltene Dreifigurengruppe der Beschneidung Jesu.

 

Ein besonderes Ausstattungsstück ist die vollständig erhaltene Apostelreihe auf dem Tragebalken an der Nordwand mit dem thronenden Christus in der Mitte und zwölf stehenden Aposteln (frühes 14. Jahrhundert)

 


Das älteste Ausstattungsstück ist dieaus dem 12./13. Jahrhundert stammende Granittaufe mit ihrem runden Fuß und der zylindrischen Kuppa mit Rundbogenarkaden. Darüber hängt ein sechseckiger eicherner Taufdeckel aus dem Jahre 1686 (Barock) mit Aufsätzen und Putten.

 

 

Aus dem Jahre 1682 ist die Kanzel des Tonderaner Meisters Peter Petersen II., der im gleichen Jahr die ganz ähnliche Kanzel in Lindholm schuf. Die achtteilige Brüstung in Form einer Emporenkanzel ist geschmückt mit gedrehten Säulchen, Ohrmuschelwerk und den Gemälden: Paradies, Verkündigung, Geburt, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten und das Jüngste Gericht.

Darüber befindet sich der in der gleichen Form gestaltete Schalldeckel mit gemalten Knorpelwerkaufsätze und Putten. An der Kanzel befindet sich als Symbol der Vergänglichkeit eine Sanduhr an einem schmiedeeisernen Volutenarm (1750). Sie wurde von Mitgliedern derGemeinde gestiftet.

 

Das aus Marne (Kreis Dithmarschen) stammende hölzerne Kruzifix ist ein Brettkreuz mit Achteck-Enden - diese mit Cherupköpfchen (Engelsköpfchen). Entstanden ist es im 17. Jahrhundert.

 

Bei Malerarbeiten 1993 wurden im 1. und 2. Schiffsjoch Wandmalereien freigelegt. Die Krabbenmalereien im Westjoch zeigen eindrucksvoll, wie die Kirche zu Ende des Mittelalters in ihrer Farbgebung ausgesehen haben wird. Auf der freiliegenden Fläche an der Nordwand sind mindestens drei figürliche oder ornamentale Ausmalungsgeschichten ablesbar (15. bis 17. Jahrhundert). Die Ausmalungsschichten liegen übereinander und behindern sich gegenseitig. Keine der Schichten ist wiederherstellbar. Die freiliegenden Flächen bleiben offen als ‚Fenster in die Geschichte der Kirche’.